Mtwara in Tansania ist die Partnerschule der Benedictus-Realschule und wir unterstützen sie seit Jahren mit diversen Aktionen wie Kuchenverkauf, Solidaritätsmarsch, Benefizkonzert, Bananenblätter-Fußballturnier und Spendenaktionen.

 





Im Schuljahr 2012/13 diente unser Schulfest dazu, Mtwara zu unterstützen. Zahlreiche Veranstaltungen, Workshops, eine Versteigerung, Verkauf von Essen und Getränken und Auftritte wurden dazu genutzt, eine bedeutende Summe für Mtwara zu erzielen.

 

 

Schon im Schuljahr 2010/2011 wurde von der Benedictus-Realschule Tutzing insgesamt die stolze Summe in Höhe von 2.145,41 € durch Spenden und Kuchenverkauf erzielt. Wir freuten uns außerordentlich, diese Summe durch einen Scheck am 7.12.2011 durch die Missionsprokura (Sr. Martha) an unsere Partnerschule in Mtwara (Tansania) überreichen zu können. Nachdem schon im  Jahr davor der Bau der Bibliothek unterstützt wurde, soll für die Schüler im Jahr 2011 Anschauungsmaterial für den Biologie-Unterricht angeschafft werden.

 

 

 

 

Kurze Geschichte der Entstehung der Aquinas Sekundarschule in Mtwara / Tanzania

 

 

 


I          Beschreibung der Region / Diözese Mtwara

Die Diözese Mtwara im südöstlichen Tanzania ist fast identisch mit der politischen Region Mtwara. Sie wird geleitet von Bischof Gabriel Mmole. Er ist der zweite Bischof dieser noch jungen Diözese, gegründet 1972. Die Mehrheit der Bevölkerung ist moslemisch nach der langen Geschichte arabischer Präsenz entlang der Küste am Indischen Ozean.

Mtwara selber ist eine wachsende Stadt, mit Hafen, Verwaltungsgebäuden, Erdgasvorkommen. Es wird nun auch nach Öl gebohrt. Die Einwohnerzahl ist nicht genau bekannt, schätzungsweise 250.000. Wie überall in Tanzania sind etwa 50% davon Jugendliche unter 15 Jahren. Die Arbeitslosigkeit ist gross, Zahlen sind nicht erhältlich. Das Analphabetentum liegt bei 42% trotz Schulpflicht seit der Unabhängigkeit 1962. In Mtwara Region ist die höchste Müttersterblichkeit des Landes laut den Statistiken des Gesundheitsministeriums (576 Mütter von 100.000 sterben bei der Geburt). Die Region Mtwara wie die Nachbarregion Lindi werden von den meisten Tanzaniern verachtet wegen Rückständigkeit. Die Infrastruktur ist teilweise sehr schlecht in Bezug auf Strassen, Trinkwasser, Elektrizität. Es ist keine nennenswerte Industrie vorhanden.

Die finanzielle Kraft der Mehrheit unserer lokalen Bevölkerung ist schwach, da im ländlichen Raum fast nur Einkommen durch etwas Ackerbau besteht. Dazu wird gewöhnlich noch die kurzstielige Hacke gebraucht, kein Dünger, keine Bewässerung bei sandigem Boden. Cashcrops sind die Cashewnüsse. Die Bevölkerung ist sehr konservativ in Annehmen moderner Ackerbaumethoden.

Der Staat macht grosse Anstrengungen, Sekundarschulen zu eröffnen und hat die Kirchen gebeten, Schulen zu bauen und zu führen. Es werden aber keine finanziellen Hilfen gegeben, weder für den Bau, noch für laufende Kosten, noch für Lehrergehälter. Mtwara hat mehrere staatliche Schulen, zwei moslemische Sekundarschulen, zwei Colleges zur Lehrerausbildung, eine private Sekundarschule von Adventisten. Unter dem ersten Präsidenten Julius Nyerere waren alle kirchlichen Schulen verstaatlicht worden (Ujamaa Sozialismus). Erst seit dem letzten Jahrzehnt wurden den Kirchen die vollkommen heruntergewirtschafteten Schulen teilweise wieder angeboten.

 

II.        Geschichte der Aquinas Schule

1.         Beginn der Aquinas Schule

Die Diözese Mtwara hatte bislang keine eigene kath. Schule ausser einer für Seminaristen und eine, die ausschliesslich von Schwestern mit Profess besucht werden darf. 2005 beschlossen katholische Laien in Mtwara ihre eigene Sekundarschule zu eröffnen mit viel Enthusiasmus. Hauptmotivation war, genug Schulplätze für die eigenen Kinder sicher zu stellen, sie nicht in die moslemischen Schulen schicken zu müssen. Die Schule sollte von Anfang an für alle Denominationen offen sein, für Jungen und Mädchen nach 7 Jahren Grundschule.

Die Laien glaubten, die finanziellen Mittel für den Bau selber aufzubringen in den vier verschiedenen Pfarreien in Mtwara. Februar 2005 wurde die Schule in den Räumen der Pfarrei Magomeni eröffnet, Form I, zwei Parallelklassen mit je 45 Schüler und Schülerinnen. Jedes Jahr kam nun ein Jahrgang dazu, so dass mit Januar 2008 erstmals alle vier Jahrgänge vertreten sind mit insgesamt 360 Schüler/innen.

 

2          Involvierung der Missionsbenediktinerinnen von Tutzing, Priorat Ndanda.

Unsere Schwestern haben eine lange Geschichte von Mitarbeit in Erziehung, Schulbildung. In den letzten Jahren waren allerdings nur noch wenige Schwestern im Einsatz.

Als ich selber nach 10 Jahren Abwesenheit von Tanzania wieder nach Ndanda zurückkehrte (da als Priorin gewählt), war ich schockiert über das grosse Analphabetentum, so viel Unwissenheit, so viel Rückständigkeit in der Entwicklung. Ich stellte die Frage: Ruft uns Gott, mehr im Erziehungswesen zu tun?

Die Frage liess mich nicht mehr los, obwohl ich selber als Frauenärztin und viel Arbeit mit HIV/AIDS nie im Schulwesen tätig war. Nach langem Entscheidungsprozess innerhalb der Kongregation, mit Bischof Mmole, den Laien konnten wir zunächst helfen, dass der Bau auf dem Gelände der Diözese begann. Am 1. November 2007 wurde der Vertrag mit Bischof Mmole unterzeichnet, dass die Schwestern das Management der Schule übernehmen ab 1.Januar 2008. Der Bischof bleibt der Eigentümer der Schule. Falls möglich, soll später eine High School (mit Form V und Form VI, Universitätsreife) hinzukommen.

Zwei Schwestern unterrichten inzwischen an der Schule, die eine ist Stellvertretende Schulleiterin. Ich selber bin Manager der Schule.

  1. Entwicklung der Schule

Der Schulleiter ist ein pensionierter Tanzanier mit sehr viel Erfahrung. Alle Lehrer (8) sind Tanzanier mit Ausnahme der zwei Schwestern, die vor einigen Monaten begannen (1 Filippino, 1 Kenyanerin).

Form II macht ein nationales Examen. Die Ergebnisse Januar 2008 sagen, dass 226 Sekundarschulen in der südlichen Zone Tanzanias an diesem Examen teilnahmen. Aquinas Sek. Schule hat den Platz 35 belegt für den Durchschnitt aller Fächer. In Englisch belegt sie den Platz 13. Das Ergebnis ist ermutigend für den Anfang. Die Internatsschulen schneiden normalerweise alle besser ab. Viele unserer Schüler/innen kommen ohne irgendeine Mahlzeit in die Schule. Zu Hause müssen sie dann erst im Haushalt helfen und bekommen am Abend die erste Mahlzeit. Dann machen sie noch Hausaufgaben, obwohl viele kein elektrisches Licht haben und sicherlich kein eigenes Zimmer. Die meisten haben eine sehr hohe Motivation zu lernen. Obwohl schon einige wegen Fehlverhalten von der Schule verwiesen werden mussten (z.B Drugabuse, Rauchen von Haschisch) ist die Disziplin wesentlich besser als in den meisten deutschen Schulen.

Mit Beginn des neuen Schuljahres 14.01.2008 sind alle Klassen auf dem neuen Schulgelände.

Am 28.01.2008, dem Patronatsfest des hl. Thomas von Aquin fand ein grosser Eröffnungsgottesdienst mit dem Bischof, Schülern, Eltern, Aufsichtsrat und Regierungspersonal statt.

 

III       Der Bau

P. Witmar Metzger OSB begann im Mai 2006 mit dem Bau als Architekt und Bauleiter. Der Bau ist in drei Bauphasen geplant. Die Gesamtkosten belaufen sich auf EURO       1.212.800,-

Der Grundstein wurde 8. August 2006 gelegt. Teil der zweiten Baustufe sind der Schwesternkonvent und das Internat für Mädchen.

Das Grundstück ist 14 ha gross, liegt am Stadtrand, in einem Gebiet, wo viel gebaut wird. Inzwischen hat die Stadt Wasser angeschlossen. Wir warten noch auf den Stromanschluss. Es gibt keine Kanalisation.

Für die dritte Baustufe stehen noch Assembly Hall mit Bibliothek, Sportplätze und Lehrerhäuser an.

 

IV        Der Schulbetrieb

Die erste Schulstunde beginnt um 8Uhr, aber vorher ist die Assembly, die allgemeine Versammlung. Und die Schüler müssen auch schon die Klassen fegen. Wie überall in Tanzania gibt es keine Putzfrau, sondern das gesamte Gelände muss von den Schülern sauber gehalten werden. Die Schulfächer sind ähnlich wie in Deutschland. Unterrichtssprache ist Englisch, Kiswahili, die Landessprache, wird als Fach unterrichtet. Es gibt Prüfungen mit Zensuren. Das Schuljahr beginnt jeweils im Januar. Die Prüfungen am Ende des zweiten und vierten Schuljahres sind national und werden auch national korrigiert. Die Ergebnisse werden veröffentlicht.

Ab Januar 2009 werden wir auch eine Computerklasse beginnen können.

Zur Hochschulreife muss die Highschool mit Form V and VI angeschlossen werden. Der Antrag dazu ist beim Erziehungsministerium gestellt. Aber finanziell sind wir noch nicht in der Lage, die Schule weiter zu führen.

 

V         Finanzierung der Schule

Die einzige Geldquelle im Land ist das Schulgeld, das die Schüler/innen bezahlen. Der Staat hilft nicht in irgendeiner Weise, bezahlt auch keine Gehälter. Die meisten Schüler kommen aus einem Umfeld, wo es sehr schwierig ist, Schulgeld zu finanzieren. Pro Jahr muss etwa 230 Euro bezahlt werden. Als Schulspeisung bekommen sie alle einen Porridge mit Milch und Zucker. Das hilft sehr viel, da fast alle nüchtern in die Schule kommen und erst abends zu einer Mahlzeit. Ein Lehrergehalt beträgt etwa 300 bis 400 Euro pro Monat. Die Schule muss alle Schulbücher kaufen.

 

Mit der kleinen Anna Stiftung wird Mädchen der Aquinas Schule der Schulbesuch ermöglicht, die die nötigen Schulkenntnisse aufweisen, aber das Schulgeld nicht bezahlen können. Für 2009 kann die Stiftung 4 Schulgelder finanzieren.

 

Es ist uns wichtig, akademisch und mit christlichen Werten die Aquinas Schule auf zu bauen. Ohne unsere Partner in Deutschland wird uns das vorläufig nicht möglich sein.

 

 

 

Sr. Raphaela Händler OSB

Priorin, Manager der Aquinas Schule

24.11.2008